26.09.2018

Gasfahrzeuge bei CO2-Flottengrenzwerten diskriminiert: Politik verspielt enormes Potenzial

Dr. Timm Kehler, Zukunft Erdgas GmbH

Stellungnahme von Dr. Timm Kehler: Am heutigen Mittwoch befassen sich die Ausschüsse des Deutschen Bundestags mit der europäischen Regelung für CO2-Flottengrenzwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Gasfahrzeuge werden trotz hoher CO2-Effekte im aktuellen Vorschlag der EU-Kommission nicht berücksichtigt. Dr. Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft ERDGAS, kommentiert die geplante Neuregulierung wie folgt:

"In Brüssel wird händeringend darauf gewartet, dass sich Deutschland in der Frage zu den zukünftigen Pkw-Grenzwerten positioniert. Noch liegen die Positionen in der Koalition weit auseinander. Der derzeitige Streit in der Regierung über die Höhe zukünftiger Grenzwerte darf aber nicht davon ablenken, dass die CO2-Werte im Verkehrssektor seit Jahren steigen – obwohl die Fahrzeuge auf dem Papier sauberer werden. Konkret wollte Deutschland bis 2020 die CO2-Emissionen um 40 Prozent senken. Die Emissionen des Verkehrs liegen aber aktuell tatsächlich vier Prozent über dem Referenzjahr 1990. Die meilenweite Zielverfehlung zeigt deutlich, dass die bisherigen Regulierungsansätze gescheitert sind. Mit einem 'Weiter so' werden die Probleme nur unter den Teppich gekehrt, aber nicht gelöst. Es müssen daher neue Ansätze gefunden werden, die das Problem bei der Wurzel packen.

Ein wesentlicher Grund für das deutliche Verfehlen der Ziele ist dabei, dass die Gesamtbilanz der Fahrzeuge nicht ausreichend betrachtet wird. So werden beispielsweise Elektrofahrzeuge mit null Gramm CO2 pro Kilometer bilanziert, obwohl Strom in Deutschland einen im europäischen Vergleich sehr schlechten CO2-Fußabdruck hat. Deutlich sinnvoller ist ein 'Well-to-Wheel'-Ansatz, der die CO2-Emissionen der Gesamtkette berücksichtigt und damit umgehend echten Klimaschutz liefern kann. Die einseitige Fokussierung auf eine Elektrifizierung des Verkehrs macht die Politik blind gegenüber alternativen Kraftstoffen wie ERDGAS oder synthetischem Gas, die bereits heute kostengünstig zur Dekarbonisierung beitragen. Denn mit CNG-Fahrzeugen ist CO2-neutrale Mobilität möglich – trotz Verbrennungsmotor. 

Das Angebot von potenziell CO2-neutralen Gasfahrzeugen wird, anders als bei Elektrofahrzeugen, aber bislang nicht auf den Flottenemissionswert der Fahrzeughersteller angerechnet. Hier verspielt die Politik enormes Potenzial. Die Vorfestlegung auf die E-Mobilität hemmt die wirtschaftliche und technologische Weiterentwicklung der Automobilindustrie am Innovationsstandort Deutschland und gefährdet Arbeitsplätze. Wir dürfen Verbrennungsmotoren daher nicht per se verdammen – vielmehr müssen wir auf klimaneutrale Kraftstoffe wie BIO-ERDGAS oder synthetisches Gas setzen.

Antriebe mit grünem Gas dürfen bei der Regelung der CO2-Flottengrenzwerte gegenüber emissionsintensiveren Technologien daher nicht diskriminiert werden. Deutschland muss jetzt intelligente Vorschläge machen und sich in Brüssel für eine entsprechende Verankerung stark machen."

Foto: Andreas Malachow, Zukunft Erdgas GmbH